19. August 2012

US Panzerabwehrkanonen: 37 mm und 57 mm

In Italien setzte die US Army hauptsächlich zwei Panzerabwehrkanonen ein:
die 37 mm Gun M3 und deren Nachfolgerin, die 57 mm Gun M1.

Die Entwicklung der ersten amerikanischen Pak begann nach dem Spanischen Bürgerkrieg. Die Amerikaner hatten nach Vorbild der deutschen Pak 36 eine eigene Panzerabwehrkanone konstruiert, die ab 1940/41 in die Produktion ging. Schon damals gab es Hinweise, dass die Durchschlagskraft der 37 mm Kanone zu gering war; die Soviets hatten bereits eine 45 mm Kanone im Einsatz und die deutschen Panzerfahrzeuge wurden immer weiter verstärkt.


Die Army - insbesondere die Infanterie - mochte die 37 mm Gun, denn sie war mit 430 kg recht leicht und konnte von der vierköpfigen Mannschaft ohne Probleme selbst gezogen und bewegt werden. Außerdem standen alle Munitionstypen (panzerbrechende, Hochexplosiv- und Kartätschen-Munition) zur Vefügung. Jedes Infanterie-Battalion hatte ein Anti-Tank Platoon mit 3 Geschützen und jedes Regiment eine AT Company mit weiteren 9 Geschützen. Somit war jedes Regiment mit insgesamt 18 Geschütze ausgerüstet. In der Regel wurden die 37 mm Guns von Willys Jeep gezogen.

Erste Kampferfahrung gab es in Nordafrika. Hier war die 37 mm Gun die Standard-Pak der US Army. Es zeigte sich, dass die Pak gegen die deutschen Panzer III und IV im Frontalangriff nur noch auf kurze Reichweite etwas ausrichten konnte. In Versuchen konnte der Turm eines Panzer III erst auf 270 m durchschlagen werden. Die Soldaten beklagten sich über die Ineffektivität; doch die Stäbe meinten, dass die Waffe falsch gehandhabt wurde. Ab Ende 1943 wurde jedoch begonnen, die größere 57 mm Gun M1 auszuliefern. Das Geschütz war ab 1941 aus dem britischen 6 pdr entwickelt worden.

Die Infanteristen waren trotz der besseren Durchschlagskraft von der 57 mm Gun nicht sehr begeistert. Die neue Pak war mit 1.250 kg gut dreimal so schwer wie die alte und konnte nur mit erheblichem Kraftaufwand von Soldaten bewegt werden. Gezogen wurde das Geschütz von einem 1,5 t Dodge WC62 oder einem M3 Halftrack. Ein weiterer Nachteil war, dass es für das Geschütz zunächst nur panzerbrechende Munition gab. Die Erfahrung in Tunesien hatte gezeigt, dass eine Mischung aus 85% panzerbrechender, 10% hochexplosiver und 5% Kartätschen-Munition ideal war. Erst nach dem Feldzug in der Normandie wurden Sprenggranaten produziert, das jedoch immer noch nicht in großer Zahl.

Produktionszahlen:
37mm M357mm M1
19412.252-
194211.8123.877
19434.2985.856
1944-3.902
1945-2.002
18.36215.637

Die Umstellung von der 37 mm auf die neue 57 mm Kanone ging jedoch langsam voran, so dass während der gesamten Kampagne in Italien beide Geschütze zum Einsatz kamen. Bei der Landung in Salerno waren nur wenige Infanterie-Regimenter mit der 57 mm Gun ausgerüstet worden. Erst ab Sommer 1944 - nach dem Ausbruch aus dem Brückenkopf bei Anzio - waren mehr von den neuen Kanonen im Gebrauch als von den älteren 37 mm Pak.


Die 37 mm wurden jedoch bis Ende 1944 eingesetzt. Denn das Fehlen von ausreichenden Zahlen an 57 mm Paks blieb bis zum Ende des Krieges ein Problem. Das zeigen auch die Verlustzahlen: vom 9.9.43 bis Kriegsende gingen 167 der 37 mm Geschütze und 259 der 57 mm Geschütze verloren.

Nach und nach wurden bis Ende des Krieges in Italien alle Regimenter - bis auf eine Einheit - mit Geschützen auf Selbstfahrlafetten, sog. "self-propelled guns" ausgestattet.

Zaloga, Steven: US Anti-tank Artillery 1941-45 (New Vanguard 107)
Osprey Publishing, 2005

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